„Jeudi-Noir“ – Partys für die gute Sache

Was tun gegen steigende Mieten ins Unbezahlbare? Ein Beipiel bietet die Pariser Gruppe „Jeudi Noir“. An dieser Stelle dokumentieren wir einen Artikel über die Umtriebe der Aktivisten:

Eine Gruppe junger Leute feiert in einer Wohnung eine Party. Sektgläser klingen, Lachen erfüllt den Raum und Konfetti wird durch die Gegend geworfen. Eigentlich nichts ungewöhnliches, bis auf eine Tatsache – keiner dieser Menschen wohnt in dieser Wohnung. Es handelt sich vielmehr um eine einfache Wohnungsbesichtigung. Die Gruppe „Jeudi-Noir“ hat damit ihren eigenen Weg gefunden, um auf die horrenden Mietpreise in Paris aufmerksam zu machen.

Mit dem Erscheinen der neuen Wohnungsanzeigen jeden Donnerstag beginnt für viele junge Leute erneut die vergebliche Jagd auf bezahlbare Wohnungen. Solche gibt es kaum – Mietpreise von 650 Euro für ein 15 m² großes Zimmer oder 720 Euro für ein 25 m² großes Loft sind in Paris inzwischen Normalität. Alternativen zu diesen Preisen sind selten vorhanden : eine Untervermietung ist bei den geringen Quadratmeterzahlen organisatorisch kaum machbar und das Pendeln zwischen dem Elternhaus in Marseille oder Bordeaux und dem Studienplatz in Paris ist auch nicht möglich.

Die GruppeDie Gruppe „Jeudi-Noir“, bestehend aus Studenten und jungen Berufstätigen, hat diesen „schwarzen Donnerstag“ zu ihrem Namen gemacht und will nun etwas gegen die unhaltbaren Zustände auf dem Wohnungsmarkt unternehmen. „Die Spekulation auf dem Pariser Immobilienmarkt hat die Mieten in den letzten Jahren in unglaubliche Höhen getrieben.“ erklärt Lionel. Er ist neben Alix, Leila und Julien einer der vier Gründer von „Jeudi-Noir“. Unter ihnen befindet sich sowohl ein Student, ein Berufsmusiker als auch ein Arbeitsloser. Erschwert wird die Lage für die Jungen Leute neben der Tatsache, dass sie wenig oder gar kein Geld verdienen, auch noch dadurch, dass die Vermieter und Makler als Sicherheit oft noch ein monatliches Nettoeinkommen verlangen – dreimal so hoch wie der Mietpreis selbst.

Die PartyVor ein paar Monaten entstand aus dieser Lage heraus die Idee zu der „visite festive“, der Spontanparty in einer Wohnung mit besonders unverschämtem Mietpreis. Zwei Mitglieder der immer größer werdenden Gruppe spielen dabei zunächst die Interessenten, die so in die Wohnung gebeten werden. Von dort aus geben sie dann per Handy den Anderen das Startzeichen für den Partyeinsatz. Inzwischen hat „Jeudi-Noir“ schon einige dieser Partys gefeiert und damit auch die Medien auf sich aufmerksam gemacht : ein Kamerateam hat die Gruppe bei einem dieser Einsätze begleitet und ihnen so auch die gewünschte Aufmerksamkeit bei den Politikern beschert.

Der französische Wohnungsminister, Jean-Louis Borloo, hat die Gruppe daraufhin sogar am 3. Dezember zu einem Gespräch eingeladen, bei dem sie eineinhalb Stunden mit dem Minister persönlich über ihre Probleme sprechen konnte. „Das Gespräch ist sehr gut verlaufen“, sagt Lionel. Damit ist das Problem jedoch noch nicht gelöst. Die Philosophie von Jean-Louis Borloo zum Mietproblem ist nämlich folgende : durch den Neubau von vielen Wohnungen (436 000 in diesem Jahr und fast 450 000 im nächsten Jahr) werden die Mietpreise in zwei oder drei Jahren schon fallen. „Das hört sich zwar interessant an, regelt aber nicht unser heutiges Mietproblem“, entgegnet daraufhin Jeudi-Noir.

Der BallonFür eine Besprechung nach dem Treffen mit dem Minister hat sich die Gruppe ein kleines Appartement reserviert, nahe dem Invaliden-Dom in Paris. Das 17 m² große Studio wird von seinem Eigentümer für 580 € im Monat vermietet. „Man sollte nicht nur diese Preise verbieten, sondern auch darüber nachdenken, diese Orten für klaustophobische Menschen unzugänglich zu machen.“ bemerkt Lionel abschließend.

Die Partys werden also erstmal weitergehen. Zusätzlich hat „Jeudi-Noir“ aber auch noch andere Pläne : Anfang nächsten Jahres wollen sie dazu aufrufen, die unverhältnismäßigen Mietpreise einfach nicht mehr zu zahlen.

Quelle: jeudi-noir.org

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