Recht auf Stadt überall

Wohnst Du noch oder lebst Du schon?
Protestbewegung „Recht auf Stadt“

Gentrifizierungs-Gegner werden aktiv in deutschen Städten.

In deutschen Städten gibt es vermehrt Kundgebungen und Aktionstage für ein „Recht auf Stadt“. Die Gentrifizierungs-Debatte ist wahrlich nicht neu. Doch jetzt soll in deutschen Städten gegen Luxusbauten und Stadtverdrängung vorgegangen werden. Aber wie?

Unter dem Motto „Right to the City“ oder „Recht auf Stadt“ entsteht weltweit eine neue städtische Protestbewegung, die eigene Mitbestimmungsrechte bei der Stadtplanung und Entwicklung fordert. Auch in deutschen Städten wie Frankfurt am Main, München, Hamburg, Konstanz, Düsseldorf und Freiburg formierten sich in jüngster Zeit Aktionsgruppen. Inhaltlich geht es ihnen vor allem darum Luxusbauprojekte in den Innenstädten und die zunehmende Verdrängung der sozial schwächer gestellten an die Randgebiete zu verhindern.
Stadtsoziologen diskutieren dieses Phänomen schon seit Jahrzehnten unter dem Stichwort „Gentrifizierung“. Dabei geht es um die kulturelle und immobilienwirtschaftliche Veränderung von ursprünglich preisgünstigeren Stadtvierteln zu unbezahlbaren Schickeriablocks. Bekannte Beispiele von Gentrifzierung in Deutschland sind der Prenzlauer Berg in Berlin und jüngst das Glockenbachviertel in München. In den ehemaligen Arbeiter- bzw Künstlervierteln wohnen heute nur mehr „Yuppies“, „Normalbürger“ können sich das Wohnen nicht mehr leisten, so die Kritik. In Düsseldorf-Oberkassel findet sogar eine „Supergentrifizierung“ statt. Die Preise pro Einfamilienhaus steigen jährlich um 20 Prozent und liegen im Durchschnitt bei 1,4 Millionen Euro.
Raus aus dem Haus
Wer soll sich das noch leisten? Das fragen auch die deutschen Aktionsbündnisse „Recht auf Stadt“. Die unabhängigen Netzwerke verstehen sich als „Zusammenschluss von allen Bewohnerinnen, Bewohnern und Initiativen denen die aktuelle Stadtentwicklung nicht passt und Allen, die die Stadt nach ihren Wünschen und Bedürfnissen ändern wollen.“ Und fordern ihr Recht auf Stadt ein. Was dieses Recht allerdings ist und wie sich dieses Recht einfordern lässt, ist aktuell jedoch recht unklar.
In Freiburg fanden von 13.-17. Juli 2011 die „Recht auf Stadt!-Tage“ unter der Parole „Stadt selber machen!“ statt. Es wurden Veranstaltungen, Demonstrationen und Arbeitskreise organisiert. Die badische Zeitung titelte etwas belächelnd „Vom Bastel- bis zum Blockade-Workshop“. Doch Samstag Nachmittag war es dann schon passiert, Antifa Aktivisten besetzten ein Haus an der Kronenbrücke. Die Besetzer betonten, dass es sich um eine längerfristige Aktion handeln solle, schließlich stehe das Haus schon seit längerem leer. Keine fünf Stunden später hatte die Polizei, nach Angaben von TV Südbaden, das Haus wieder geräumt.
„Bornierter Regionalismus“
Aktionen gibt es auch in anderen Städten. In Frankfurt am Main etwa, wurde schon zum „Guerilla Gardening“ und „öffentlichen Frühstück“ aufgerufen. Die Zielsetzung von „Recht auf Stadt“ formuliert das Hamburger Netzwerk hochtrabend: „Dies ist der Anfang einer neuen städtischen Bewegung. Dies ist der Anfang vom Ende der wachsenden Stadt. Seien wir weiter realistisch und fordern das Unmögliche. Wir bleiben unkalkulierbar – und unplanbar!“ und ruft zur Teilnahme auf. Jungle World Autor Magnus Klaue kommentiert kritisch, dass es den „Recht auf Stadt“- Kampagnen wohl eher um den „Rückbau der Stadt zur multikulturellen Dorfgemeinschaft“ gehe, statt um die „Einlösung des Glücksversprechens der Urbanität“. Für Klaue spiegeln die Aktionen eindeutig einen „bornierten Regionalismus“ wieder.
Wer gerade auf Wohnungssuche in München oder Hamburg ist, wird das Faktum der Gentrifizierung auch ohne „Gentrifizierungsmap“ schnell zu spüren bekommen. Eine Stadt die sich verändert, ist an sich noch kein Unheil. Unheimlich, im wahrsten Sinne des Wortes, wird es dann, wenn sich Stadt nur mehr eine bestimmte Elite leisten kann. Für die Netzwerke „Recht auf Stadt“ kommt es derzeit vor allem darauf an, sich auszuweiten und zu organisieren. Regelmäßige Treffen finden in allen Aktionsstädten statt. Man darf gespannt sein auf den nächsten Bastelworkshop.
Quelle: ZeitJung
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