Feuerwehr kämpft für Viktualienmarkt: Abriss nicht erforderlich

Selbst die Münchner Feuerwehr kämpft jetzt gegen Gentrifizierung. Wir dokumentieren einen Beitrag aus der heutigen Süddeutschen Zeitung (10.8.2011):

Keine Brandschutzmängel, kein Grund zum Abriss: Die Rettungskräfte widersprechen dem TÜV und Kommunalreferat. Es gebe zwar ein paar Probleme, doch aus Brandschutzgründen müsse der Viktualienmarkt auf keinen Fall abgerissen werden.

Brandschutzmängel am Viktualienmarkt? Bei der Münchner Berufsfeuerwehr hat die Debatte um den angeblich unumgänglichen Abbruch der 60 Jahre alten Verkaufsbuden größtes Erstaunen ausgelöst. Nach Einschätzung von Ewald Penzenstadler, dem Leiter der Abteilung Vorbeugender Brandschutz, gibt es zwar Probleme.

Sie lägen aber „weit unterhalb einer erheblichen Gefahr für Leib und Leben“ der Besucher und rechtfertigten in keiner Weise einen Abriss der Standl. „Aus Gründen des Brandschutzes sehe ich den Viktualienmarkt noch einige Zeit in dieser Form gelassen stehen“, versichert der Leitende Branddirektor, dessen Abteilung regelmäßig in und um die Verkaufsbuden nach dem Rechten sieht.

Die Expertise der städtischen Berufsfeuerwehr, die dem Kreisverwaltungsreferat untersteht, widerspricht eklatant einem Gutachten des TÜV Rheinland, aus dem Kommunalreferentin Gabriele Friderich die Notwendigkeit zum Abbruch und Neubau des Viktualienmarktes ableitet. Zwar werden dort neben dem Brandschutz auch Hygienemängel als Hauptproblem aufgeführt. Die angebliche Feuergefahr nimmt aber in dem Papier breiten Raum ein. Die zeltähnlichen Anbauten, die Kellerräume, die bauliche Struktur und der Grundriss des Marktes – aus Sicht des TÜV Rheinland verdienen die Mängel beim Brandschutz das Urteil „problematisch“. Die Anforderungen würden nicht einmal zur Hälfte erfüllt.

Diese Analyse hatte zur Folge, dass in der vom Stadtrat im Juli diskutierten Beschlussvorlage der Satz vorkommt, „die Anforderungen bezüglich Brandschutz, Arbeitsschutz, Hygiene etc.“ erforderten einen „Abbruch bestehender Gebäude mit Ersatz in geänderter baulicher Struktur“. Dabei spielt der Brandschutz offenkundig eine Schlüsselrolle – denn Probleme mit der Hygiene machen wohl keinen neuen Grundriss notwendig.

Penzenstadler zufolge wurde jedoch in den vergangenen Jahren schon einiges auf dem Markt unternommen. So habe man die Stände bereits in Gevierte unterteilt und mit Brandschneisen versehen, so dass ein Überschlagen des Feuers zumindest auf die Nachbargevierte verhindert werden könne. Zudem habe man das Baureferat bei der Sanierung der offenbar aus hygienischen Gründen nicht mehr akzeptablen Lüftungsanlage in den Kellerräumen beraten und mitgeholfen, mehrere hunderttausend Euro einzusparen. Die Zielsetzung wie auch die Ergebnisse des TÜV-Gutachtens seien der Branddirektion nicht bekannt. Die aktuelle Diskussion um die angeblich eklatanten Probleme beim Brandschutz könne man aber nicht nachvollziehen.

Beim Kommunalreferat wird derzeit unter Einbeziehung der Händler das Konzept für einen Neuaufbau des Viktualienmarktes erarbeitet. Dies wird, so teilte Sprecher Bernd Plank mit, voraussichtlich etwa ein Jahr dauern.

Quelle: Süddeutsche Zeitung

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